Tee und zugesetzte Aromen

Ob Kiwi, Kokos, Marzipan, Buttermilch oder Käsekuchen, die Aromatisierung von Tees und sogenannten Früchtetees nimmt zuweilen groteske Züge an. Geschmacklich erinnern sie an Softdrinks, Backwaren oder Speiseeis, nur nicht an Tee, und die Zutatenlisten auf vielen Verpackungen lesen sich häufig wie die eines Backrezepts für einen Kindergeburtstag. Alles Geschmackssache? Könnte man meinen. Leider werden durch diese Aromatisierung immer mehr Geschmacksnoten mit dem Wort Tee in Verbindung gebracht, die mit natürlichem Teegeschmack nichts gemein haben. Das prägt und verändert das Image eines Getränks, von dem es doch immer heißt, es werde gerade wegen seiner Natürlichkeit geschätzt. Beständige Irrtümer und weit verbreitete Unsicherheit über zugesetzte Aromen gehören zu den Folgen dieser Aromatisierung.

Um zu beurteilen, ob man zugesetzte Aromen im Tee haben möchte, ist es hilfreich, sich zuerst einmal anzuschauen, warum Aromen überhaupt eingesetzt werden.

Warum zugesetzte Aromen verwendet werden

Geschmacksgabe:

Es gibt Teeblätter, deren Aromen in ihrer Zusammensetzung keinen Geschmack hervorbringen. Diese sind als Tee unverkäuflich. Damit sie überhaupt eine Geschmacksempfindung auslösen, ist ist eine „Aufwertung“ nötig, was durch den Zusatz von Aromen möglich ist.

Geschmacksveränderung:

Viele Teeblätter bringen „nur“ einen schwachen oder einen unangenehmen Geschmack hervor. Auch sie sind so nicht verkäuflich. Zugesetzte Aromen ermöglichen es, fade schmeckenden Tees Geschmack zu verleihen bzw. einen unangenehmen Geschmack zu überdecken. Aromen mit Teegeschmack kommen dabei merkwürdigerweise selten zum Einsatz; vermutlich wäre Tee mit Teearoma schwer verkäuflich, denn die Güteklasse des Tee wäre offensichtlich. Den meisten aromatisierten Tees werden Aromen exotischer Geschmacksrichtungen mit wohlklingenden Namen zugesetzt. Aus einem geschmacklich schwachen und preislich sehr günstigen Tee kann so ein Getränk werden, das sogar im Regal für „Premium-Produkte“ zu Premium-Preisen seine Käufer findet.

Geschmacksreproduktion:

Die Wiederherstellung von Aromen betrifft zumeist die sogenannten Früchtetees, weil die darin enthaltenen Fruchtstücke bei der Trocknung nicht nur Feuchtigkeit, sondern auch ihre Aromen verlieren. Durch zugesetzte Aromen soll das Fruchtaroma wiederhergestellt werden. Leider schmecken und riechen viele solcher Früchtetees penetrant nach „Frucht“, weshalb man sich fragt, warum Fruchtstücke überhaupt in einer Tasse Tee landen müssen. Die Antwort kennen wohl nur die Erfinder solcher Mischungen.

Verlängerung der Haltbarkeit von Geruch und Geschmack:

Zugesetzte Aromen haben den „Vorteil“, dass sie dem Tee einen Geruch und Geschmack verleihen, der länger hält. Tee kann so über einen längeren Zeitraum gelagert und ohne Geruchs- oder Geschmackseinbußen verkauft werden. Besonders aufgesprühte Aromen haften den Stücken der Teeblätter lange an, was die Lagerfähigkeit verbessert.

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